[REVIEW] Biff Byford - "School Of Hard Knocks" (2020)

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[REVIEW] Biff Byford - "School Of Hard Knocks" (2020)

Beitrag: # 77228Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.02.2020, 15:48

Biff Byford - "School Of Hard Knocks" (2020)


Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass "School Of Hard Knocks" ein Album ist welches man immer wieder gerne auflegen und anhören wird, auch in einigen Jahren noch.

Saxon-Frontturner Biff, mittlerweile immerhin auch schon 69 Jahre alt, hat mit seiner ersten richtigen Soloscheibe quasi eine musikalische Autobiographie vorgelegt, die inhaltlich viele Stationen seines bisherigen, nicht immer einfachen Lebens ausleuchtet und auch schmerzhafte Aspekte nicht ausspart - wie zum Beispiel den gewalttätigen und alkoholkranken Vater, der als Bergarbeiter schuftete. Aber es ist gleichzeitig auch ein Tribut an seine Heimat, den rauen Norden Englands.

Der Albumtitel, der frei übersetzt soviel wie "Schule des Lebens" bedeutet, ist also durchaus passend und mit Bedacht ausgewählt worden.

Erwartungsgemäß besitzt die Scheibe einen rauen, aber auch warmherzigen Grundcharakter und geht im Prinzip genau dorthin zurück, wo
Biff seine musikalischen Wurzeln hat - nämlich zum klassisch britischen Arbeiterklassen-Hard-und Heavy Rock der 70er und frühen 80er, wie er auch die frühen Saxon-Alben und die gesamte NWoBHM überhaupt prägte, allerdings auch nicht vor gelegentlichen Einflüssen aus dem progressiven Rockbereich oder dem AOR zurückschreckte.

Überhaupt bewegt Biff sich mit der Scheibe - mit der das musikalische Rad natürlich nicht neu erfunden wird, was aber auch überhaupt nicht notwendig ist - erfreulich oft sehr dicht und old schoolig in Richtung der alten Saxon-Scheiben und klingt somit an etlichen Stellen viel mehr nach klassischen Saxon (damit meine ich vor allem die Frühphase zwischen dem Debüt und ca. "Denim And Leather") als Saxon das heutzutage mit ihrem zwischenzeitlich doch recht stark modernisierten Sound selber noch tun.

Vor allem der in bester "Wheels Of Steel"-Manier satt groovende Titeltrack oder "Welcome To The Show" gehen in die typische Saxon-Richtung der frühen 80er, während das vielschichtige "The Pit And The Pendulum" dann progressivere Elemente zuläßt, wie man sie vom noch etwas uneinheitlichen Debütalbum und Kompositionen wie "Rainbow Theme / Frozen Rainbow" kennt. Und das ist ja noch eine klitzekleine Weile länger her. ;) "Me And You" hingegen läßt balladeske Töne anklingen und darf ebenfalls als eines der Highlights der Scheibe gewertet werden.

Ganz besondere Momente gibt es außerdem durch zwei wunderbare, höchst gelungene Coverversionen: Zum einen die Wishbone Ash-Nummer "Throw Down The Sword" (!), zum anderen das Traditional "Scarborough Fair" (!!), das viele am ehesten von Simon & Garfunkel her kennen dürften und welches hier äußerst eigenständig interpretiert wird. Sehr geschmackvoll. Biff erwähnte auch erst vor kurzem, welche prägende Bedeutung diese Songs, vor allem gerade auch "Scarborough Fair", für sein gesamtes Leben hatten und noch immer haben. Von daher kann man hier auch ziemlich sicher sein, dass eine starke persönliche Motivation bei der Auswahl der beiden Coversongs eine Rolle gespielt hat und das Ganze nicht auf einer Idee der Plattenfirma beruht.

Man sollte nicht unerwähnt lassen, dass Biff auf dem Album viel Unterstützung von befreundeten alten Bekannten bekommen hat. Abgesehen von Saxon-Basser Nibbs Carter, der auf einigen der Songs zu hören ist, sind das u.a. Opeth-Gitarrist Fredrik Akesson, ex-Motörhead-Mann Phil Campbell (ebenfalls Gitarre) oder der Landshuter Drummer Alex Holzwarth, der u.a. für Avantasia, Angra, Blind Guardian oder Rhapsody Of Fire aktiv war bzw. ist.

Insgesamt ist somit ein rundes und dabei recht abwechslungsreiches Werk entstanden, welches beim Hören von der ersten Sekunde an Freude bereitet und zudem auch ein nettes Artwork beinhaltet, welches viele beim ersten Anblick vielleicht erschrocken als infantile Kritzelei auf Grundschulniveau abtun. Aber mir gefällt das so sehr gut. Es ist vielmehr ein nettes Suchbild, welches viele Querverweise zu Biffs Leben und den Songs bzw. den Musikern auf der Scheibe enthält, mit einer charmant kindlichen Naivität gezeichnet und sich damit auch wohltuend abhebend von den üblichen Hartmetall-Artworks.

Absolut feine Scheibe. 8-)


Die Songs

1. Welcome to the Show - 5:22
2. School of Hard Knocks - 4:21
3. Inquisitor - 1:26
4. The Pit and the Pendulum - 7:18
5. Worlds Collide - 4:38
6. Scarborough Fair - 5:08
7. Pedal to the Metal - 3:40
8. Hearts of Steel - 3:25
9. Throw Down the Sword - 7:02
10. Me and You - 4:17
11. Black and White - 5:18


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Re: [REVIEW] Biff Byford - "School Of Hard Knocks" (2020)

Beitrag: # 77232Beitrag Vertigo
26.02.2020, 16:16

hab mal in ein zwei Songs auf der Tube reingehört, fand die aber eher an mir vorbeilaufend
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Re: [REVIEW] Biff Byford - "School Of Hard Knocks" (2020)

Beitrag: # 77233Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.02.2020, 16:18

Vertigo hat geschrieben:
26.02.2020, 16:16
hab mal in ein zwei Songs auf der Tube reingehört, fand die aber eher an mir vorbeilaufend
Welche waren das denn ?
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Re: [REVIEW] Biff Byford - "School Of Hard Knocks" (2020)

Beitrag: # 77237Beitrag Vertigo
26.02.2020, 16:32

AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben:
26.02.2020, 16:18
Vertigo hat geschrieben:
26.02.2020, 16:16
hab mal in ein zwei Songs auf der Tube reingehört, fand die aber eher an mir vorbeilaufend
Welche waren das denn ?
ich glaub die ersten beiden, kanns aber nicht beschwören
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Re: [REVIEW] Biff Byford - "School Of Hard Knocks" (2020)

Beitrag: # 77239Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.02.2020, 16:38

Vertigo hat geschrieben:
26.02.2020, 16:32
AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben:
26.02.2020, 16:18
Vertigo hat geschrieben:
26.02.2020, 16:16
hab mal in ein zwei Songs auf der Tube reingehört, fand die aber eher an mir vorbeilaufend
Welche waren das denn ?
ich glaub die ersten beiden, kanns aber nicht beschwören
Schwer zu sagen.....vielleicht brauchen sie bei Dir zum Wachsen den einen oder anderen zusätzlichen Durchlauf. ;)
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